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Staatsgewalt räumt Genblockade

Samstag, 26. April 2008

Eine halbe Hundertschaft Polizisten trieb die Demonstranten vom Acker in Forchheim (bei Karlsruhe) und fällte den 10-Meter-hohen Dreifuß. Die Gentech-Gegner protestierten mit ihrer Ackerblockade gegen einen Freilandversuch mit der genveränderten Maissorte MON810 des Konzerns Monsanto. Die Aussaat dieser Sorte ist in vielen Ländern und Bundesländern verboten, doch der Baden-Württembergische Landwirtschaftsminister Hauk stellte sich offenbar gegen die vorherrschende Ablehnung der Gentechnik in der Bevölkerung und ließ die Blockade räumen. Gentechnik könne nur mit Polizeigewalt durchgesetzt werden, sagen kritische Stimmen, viel zu groß die öffentliche Ablehnung.

Und tatsächlich werden Genfeldbesetzungen in der Regel von der umliegenden Bevölkerung wohlwollend unterstützt. Mit warmem Essen, Stroh für Wege im Matsch, Duschmöglichkeiten und Internetanschluss.
Freigesetzte, genmanipulierte Organismen (GMO) lassen sich nicht einfangen. Daher sehen viele Aktivisten den zivilen Ungehorsam (also Feldbesetzungen) als letztes Mittel gegen das Risiko einer unkontrollierten Verbreitung und damit einer Bedrohung der Artenvielfalt (Entwicklung von “Super-Unkräutern”).

Gentechnik-konzerne preisen redundant und propagandistisch die “Freiheit der Forschung”. Im Endeffekt werden durch die Freisetzung von Gentechnik aber Landwirte in ihrer Wirtschaftsweise eingeschränkt. So müssen Bauern bspw. auf den Anbau von (Bio-)Mais verzichten da eine Kontaminierung durch einen in der Nähe gelegenen Genmais-Acker zu wahrscheinlich ist (und die gesamte Ernte unverkäuflich machen würde). In Kanada ist bei einigen Pflanzenarten an biologische, umweltfreundliche Landwirtschaftsweise gar nicht mehr zu denken, da nicht nur eine Kontaminierung zu befürchten ist, sondern große Konzerne sogar mit Klagen gegen betroffene Bauern vorgehen, da diese die patentierten Pflanzen - durch Kontaminierung - auf ihrem Acker stehen haben und somit gegen die Lizenzbedingungen verstoßen.

Die Genmafia ist stark, doch dezentraler Widerstand könnte auf Dauer stärker sein. Derzeit werden noch in Gießen, Gatersleben und Northeim Versuchsäcker besetzt. In Oberboihingen in der Nähe von Stuttgart wurde eine Feldbesetzung erfolgreich aufgelöst nachdem die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt versprach, die Versuche für mindestens fünf Jahre einzustellen.

P.S: das Attribut “Gen” in Genblockade und Genacker wurde bewusst gewählt auch wenn es rein sachlich falsch ist da alle Pflanzen Gene haben. Gemeint ist eine künstliche, gezielte Veränderung der DNS mittels Einschleusung artfremder Gene o.Ä.

Wieder Gen-Feld besetzt

Sonntag, 13. April 2008

Ein weiterer Versuchsacker wurde von Gentech-Gegnern besetzt. Nachdem vergangene Woche die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen aufgrund einer Feldbesetzung die Genversuche für die nächsten 5 Jahre abgeblasen hatte, wurde jetzt im niedersächsischen Northeim ein Acker der KWS Saat AG besetzt.

Den Informationen zufolge plant das Unternehmen, genmanipulierte Rüben auf dem Feld anzubauen.

In einer Pressemitteilung zeigt man sich ungehalten. Die Aktion richte sich gegen die Wahlfreiheit der Landwirte, schimpft das Unternehmen.

Insgesamt erweckt der Text den Anschein, als seien Freilandversuche mit genmanipulierten Organismen in der Bevölkerung akzeptiert; als rissen sich die Landwirte darum, Gentech-Pflanzen anzubauen.

Erfreulicherweise sieht die Realität ganz anders aus.

Die Unterstützung von Feldbesetzungen ist in Wirklichkeit enorm. Die meisten Menschen sind gegen Gentechnik (und für innovative Forschung ohne Genmanipulation). Zu gut dokumentiert sind bereits die Gefahren, die Natur, Artenvielfalt und Bauern bedrohen. Pollenflug und Bestäubung sorgen für eine unkontrollierbare Verbreitung genetisch veränderter Organismen. Ganze Landwirtschafts-Existenzen werden ausgelöscht, wenn Ernten mit Fremdgenen kontaminiert und dadurch unverkäuflich werden.

Gentech treibt auch Menschen auf die Straße Felder, die sich ihrer politischen Verantwortung ansonsten mit einem Kreuz auf dem Wahlzettel entledigen.

Die KWS hat gewissermaßen zwei Möglichkeiten:

Die Versuche einstellen und in Zukunft keine Gentech-Versuche mehr durchzuführen oder das Feld von der Polizei räumen zu lassen und eine Zersplitterung (und damit Vervielfältigung) der Proteste in Kauf zu nehmen. Man darf gespannt sein, wofür sich das Unternehmen entscheidet.

Nürtinger Hochschule stellt Genversuche ein

Mittwoch, 09. April 2008

Nach einer Woche Genfeldbesetzung auf einem Acker in Oberboihingen hat die Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt bekanntgegeben, die Versuche mit genmanipuliertem Saatgut auf dem Acker nicht wie geplant durchzuführen.

Gentech-Gegner hatten auf dem von der Hochschule gepachteten Feld ein kleines Camp errichtet und angekündet, erst zu gehen, wenn entweder die Versuche eingestellt werden oder eine Aussaat zeitlich nicht mehr in Frage kommt. Bis zu zwei Monate wären Aktivisten bereit, bei den widrigen Bedingungen (Kälte, Wind, Matsch) auszuharren.

Professor Schier, Leiter der Versuche, gab bekannt, sich nur dem Druck der Hochschulleitung gebeugt zu haben. Aus wissenschaftlicher Sicht stünde er jedoch weiterhin hinter den Versuchen.

Auch die Hochschule betont die Wichtigkeit einer freien Forschung.

Kommentar: Forschung ist wichtig, aber sie muss kontrollierbar bleiben. Dies ist bei der Freisetzung genmanipulierter Organismen nicht der Fall. Und frei ist die Forschung auch dann nicht mehr, wenn sie (wie im Fall Nürtingen) von Agrar-Riesen finanziell gefördert wird.

Aktivisten besetzen Genfelder

Samstag, 05. April 2008

Gestell an dem sich Aktivisten anketten könnenInnerhalb weniger Tage wurden gleich mehrere Felder in Deutschland von Gentechnik-Kritikern besetzt.

Sowohl in Gießen als auch in Oberboihingen (Kreis Esslingen) bauten die Umweltschützer hohe Gerüste auf, an denen sie sich im Falle einer Räumung anketten können. Derzeit sieht es jedoch nicht nach einer Demonstrationsauflösung durch die Polizei aus. Aktivisten munkeln, der Grund für die Akzeptanz der Feldbesetzung sei, dass im Falle einer Gerichtsverhandlung viele Informationen über die geplanten Versuche öffentlich gemacht werden müssten - was den leitenden Professoren sehr unrecht sein könnte.

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